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Überhitzung:
Überhitzung oder fachsprachlich Hyperthemie ist meines Erachtens
eines der grössten Probleme bei Schlittenhunderennen in der
heutigen relativ warmen, beziehungsweise
sonneneinstrahlenintensiven Wintern. Die starke Strahlung kann
selbst bei -20° C dazu führen, dass Hunde von einem
Schlittenhunderennen ausscheiden müssen wegen Überhitzung (z.B.
Yukon- Quest 1985).
Zielstrebiges Handeln, Überwachung des Hundes und entsprechend
diskretes Auftreten mit einem solchen Hund im Zieleinlauf sind
für die Hunde und den Schlittenhundesport äusserst wichtig. Die
Problematik der Hyperthermie tritt aber nicht nur im
Schlittenhunderennsport auf; auch intensiv arbeitende
Katastrophen- Flächensuch- und Sanitätshunde müssen unter
Beachtung klimatischer Bedingungen eingesetzt werden.
Der Bericht liefert für den verantwortungsbewussten "Hündeler"
Basisinformationen, die durch sorgfältige Planung eines
Einsatzes oder Trainings eine Überhitzung vermieden werden kann
und liefert Handlungsstrategien, falls es doch einmal zu
Überhitzung kommt.
Begriff:
Als Hyperthermie wird eine pathologische Erhöhung der
Körpertemperatur bezeichnet, welche die Physiologische
Schwankung überschreitet. Morgens etwa 1 Grad höher als abends
ist normal, ausserdem Erhöhung nach Bewegung oder
Nahrungsaufnahme oder bei hoher Umgebungstemperatur.
Normale Körpertemperatur:
- in der Ruhephase: zwischen 38.3° und 38.8° C
- während Langdistanzlauf bis 40.5° C
- während Sprintlauf bis 41.6 ° C
Vorkommen von Hyperthermie:
- Fieber
- Wärmestau (bei hoher Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit,
starker körperlicher Anstrengung und Aufregung, bei zu
geringer Wärmeabgabe).
- bei maligner Hyperthermie (Inhalationsnarkose- Zwischenfälle)
- und bei Hypothalamus-Schäden
Fieber ist eine spezifische Art von Hyperthermie und wird als
krankhafte Erhöhung der inneren Körpertemperatur definiert. Bei
grossen Hunden spricht man von Fieber 39.4° C und bei kleinen ab
39.4° C. Bei Körpertemperatur über 41.6° C sind andere Arten der
Hyperthermie oder durch Fieber bedingte Komplikationen zu
betrachten.
Starke Überhitzung (Hitzeschock) kann den Hyperthalasmus, der
die Körpertemperatur kontrolliert, permanent schädigen.
Ausserdem können auch die Muskeln und die inneren Organe in
Mitleidenschaft gezogen werden.
Symptome die auf Hyperthermie deuten:
- Hecheln mit weit geöffnetem Mund
- Tiefes, schweres Atmen auch schnelles Atmen
- schwankender oder wackelnder Gang (schwankendes Hinterteil)
- Erbrechen von Wasser oder Nahrung während des Laufes
- Durchfall
- Erhöhte Herzfrequenz (über 120 bpm) nach 30 - 40 Minuten Pause
- Krümmen der Hinterhand
- Starke Rotfärbung der Zunge und Schleimhäute
- Dicker und zäher Speichel und starker Speichelfluss
- Rektaltemperatur ist über 41.1 ° C
- Erhöhte Temperatur welche nicht innerhalb von 10 bis 30
Minuten zurück geht.
- Schwäche
- Muskelzittern
Behandlung von Hyperthermie:
- Rasches Handeln ist angesagt
- Schlitten stoppen und den überhitzten Hund mit Schnee oder
Wasser kühlen. Wichtig ist dabei vor allem folgende Stellen:
Bauch, Hals, Kopf und Achselhöhlen.
- Bei leichter Hyperthermie genügt eventuell schon, wenn man den
Hund in ein kühles Gebäude bringt. Bei Temperaturen über
40° C ist folgende Behandlung angesagt.
- Beste Abkühlung wird durch eintauchen in Wasser erreicht,
durch Alkoholsprays oder durch kalte Wassereinläufe, wenn er
schon fast am Kollabieren ist.
- Flüssigkeit muss eventuell intravenös verabreicht werden oder
eine Alternative besteht im Einflössen von physiologischer
Kochsalzlösung ins Maul.
- Den Hund abkühlen, bis seine Temperatur unter 39.5° C gesunken
ist.
- Überhitzung beziehungsweise Hitzeschock kann mit einer
Anschwellung des Halses einhergehen, was das Problem
wesentlich erhöht. Eine Cortisoninjektion durch den Tierarzt ist in
diesem Stadium dringend nötig.
- Niemals einen Hund in den Schlitten laden, wenn er noch nicht
abgekühlt ist. Ist er abgekühlt, dann nur bis zur nächsten
medizinischen Betreuungsstelle im Schlittensack transportieren. Den Hund
dabei regelmässig kontrollieren.
- Ein Hund mit starker Hyperthermie muss unbedingt in
Intensivüberwachung; auch wenn sich seine Temperatur wieder
stabilisiert hat! Ein unkontrollierter überhitzter Hund könnte wieder
instabil werden, Durchfall bekommen und schnell
schwächer werden. Koma und Tod können folgen!
Prävention:
- Gönnen Sie den Hunden eine Pause wenn diese stak atmen, bevor
andere Symptome erscheinen.
- Beachten Sie beim Training unter wärmeren Bedingungen (z.B.
Wetterwechsel, Klimaveränderungen), dass die Hunde eine
Anpassungszeit von ungefähr drei Wochen benötigen.
Faktoren die zu Hyperthermie und Hitzeschock führen:
- warmes Wetter
- hohe Luftfeuchtigkeit
- starke Sonneneinstrahlung
- stark arbeitende Hunde
- dickes Fell
- mässige Grösse
- grosse Portion Nahrung
- erbliche Faktoren
Die ersten drei Faktoren zusammen sind die prädestinierten
Überhitzer! Meiner eigenen Beobachtung zur Folge betrifft es
häufig weisse Hunde! Zu bemerken ist auch, dass unter
entsprechenden Bedingungen eine Überhitzung auch bei
Temperaturen unter null Grad erfolgen kann (starke
Sonneneinstrahlung).
120er-Regel:
Musher aus den südlicher gelegenen Staaten Amerikas nehmen die
120er- Regel zu Hilfe um zu entscheiden, ob die Temperatur oder
Luftfeuchtigkeit zu hoch sind für ein Training. Dabei wird die
Aussentemperatur in Fahreinheit mit der Luftfeuchtigkeit
zusammengezählt. Ist die Summe unter 120 erlaubt es die
Witterung ein Training abzuhalten.
Berechnungsbeispiel: (Herbsttraining bei 15° C und 65% rel.
Luftfeuchtigkeit) 15° C → F: (15° C x 9/5) + 32 =59° F
59° F + 65% rel. Luftfeuchtigkeit = 124, also schon über der
Limite!
Dr. med. vet. Rainer Vogt
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